Kongressrückblick | 2010

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Rückblick auf unseren 4. KONGRESS (2010):

 

 

Kurzbeschreibung des Kongresses (Text von 2010)

Vom Generationendialog bis zu Sex im Alter

 

Ein hochkarätig besetztes Podium bot sich den rund 200 Gästen (darunter viele SchülerInnen) beim Sozialforum zum Thema „Generationen: Dialog MACHT Zukunft“. Umrahmt von Aktivitäten der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus referierten der Politologe Peter Filzmaier, der Japanologe Dr. Sepp Linhart - ein gebürtiger Brucker, sowie Mag. Philipp Ikrath vom Insitut für Jugendkulturforschung. Filzmaier veranschaulichte die kleiner werdende Wählergruppe der Jugendlichen, die daher auch in vielen Lösungsansätzen unserer Zeit vernachlässigt werde. Einen internationalen Blickwinkel verschaffte Dr. Linhart mit seinen Ausführungen über die Alterskultur in Japan, die zwar zurückgehe, aber immer noch meilenweit der österreichischen in puncto Arbeitswille und –möglichkeiten sowie Lernbereitschaft voraus sei. Beeindrucken konnte der selbst noch „jugendliche“ Philipp Ikrath mit einem bewegenden Vortrag über die Jugend 2050, die sich einer Vielzahl von Lebensmöglichkeiten und kommerziellen Angeboten bedienen wird können, aber auch mit Unüberschaubarkeit und Unsicherheiten leben wird müssen. Überforderung und Angst vor dem Erwachsensein seien deshalb bereits heute Thema der Jugend.

 

Mit der Generation der alten, pflegebedürftigen Menschen setzte sich naturgemäß der Altenpflegekongress mit 400 Gästen im Brucker Kulturhaus auseinander. Das Tabu-Thema „Liebe.Lust.LEIDENschaft im Alter“ hatte Pflegefachkräfte aus ganz Österreich angezogen und mit einem reichhaltigen Programm verwöhnt. Univ.Prof. Dr. Kornelia Hauser beleuchtete das Thema „Worüber Sex bzw. Liebe spricht oder schweigt“ von der wissenschaftlichen Seite. Dipl.-Krankenpfleger Christian Luksch sprach in seinem Vortrag gar von Gerontophobie, dem Ausdruck einer lustfeindlichen Gesellschaft, die speziell Sexualität im Alter negiert bzw. ekelerregend findet. Dr. Rotraud Perner, Psychotherapeutin und –analytikerin, erläuterte, dass es sowohl die Lust zur Last, als aber auch die Last zur Lust gäbe, und dies sehr stark mit der jeweiligen Biografie und dem erlebten Jahrzehnt der Pubertät zusammenhängt. Einen Höhepunkt stellte auch die Anwesenheit von Nina de Vries, einer selbständigen Sexualassistentin für behinderte und demente Menschen in Deutschland, dar. In der abschließenden Podiumsdiskussion war das Interesse, Sexualassistenz auch für ältere Menschen in Österreich aufzugreifen, spürbar. Bürgermeister Bernd Rosenberger, Soziallandesrat Siegi Schrittwieser und SHV-Geschäftsführer Peter Koch bekundeten einhellig ihre Meinung, diese fruchtbringenden Dialoge in Form eines weiteren Pflegekongresses und Sozialforums 2011 fortzuführen.

 

ReferentInnenliste

von Sozialforum und Pflegekongress (2010)

 

Univ.-Prof. Dr. Peter Filzmaier

Graue Panther als Herrscher des Urwalds? Die gesellschaftspolitische Zukunft des Generationendialogs in Österreich

 

Alle Jahre wieder. Die Älteren wollen höhere Pensionen, der Staat will weniger zahlen. Derzeit ist das bloß ein logischer Prozess unterschiedlicher Interessen und von Verhandlungen, in denen man sich eben Vieles über Massenmedien ausrichtet. Bisher wagen jedoch weder politische Parteien den Generationenvertrag in Frage zu stellen - weil ja die 50plus-Generation die mit Abstand größte Wählergruppe darstellt -, noch formieren sich die Jüngeren breitenwirksam in der Zivilgesellschaft, um ihrerseits eine Benachteiligung zu beklagen.

 

Im wilden Urwald der gesellschaftlichen Verteilungsfragen und medialer Inszenierungen zur Durchsetzung von Gruppeninteressen sind graue Panther bestens organisiert, junge Löwen fast gar nicht. Noch nicht. Zudem fehlt ein Forum des Dialogs, obwohl das Verhältnis zwischen Alt und Jung große politische Sprengkraft hat. Unser Sozial- und Pensionssystem baut auf Wachstum auf, das es nicht mehr gibt. Die nächste Generation soll weiterhin alles bezahlen, obwohl sie zahlenmäßig geringer als die jetzige und vorangegangene. Umgekehrt werden die Älteren aus dem Arbeitsmarkt gedrängt, und gelten zynisch als nicht vermittelbar. Hinzu kommen Diskriminierungen, dass ältere Menschen von der Werbung als unattraktive Zielgruppe (ab-)qualifiziert werden oder ihnen Tabus bis hin zum (kein) Sex im Alter aufgezwungen werden.

 

Womöglich wird die Kluft zwischen den Altersgruppen bald viel breiter und tiefer, weil es zum ersten Mal so ist, dass Kinder weniger zu erwarten haben als ihre Eltern. Seit den Weltkriegen war es ein zentraler Faktor unserer politischen Kultur, dass die nächste Generation ein besseres Leben haben soll als ihre Eltern. Irgendwann in naher Zukunft in es vielleicht umgekehrt. Die Kleine Zeitung schrieb bereits im Sommer 2009, dass die Neid-Debatte einen neuen Namen hätte: Generationenkonflikt.

 

Univ.-Prof. Dr. Peter Filzmaier ist Professor für Demokratiestudien und Politikforschung sowie Leiter des Departments Politische Kommunikation an der Donau-Universität Krems, und geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Strategieanalysen (ISA) in Wien.

http://www.strategieanalysen.at

 

 

Mag. Martina Mauthner, Bettina Ramp

Geschichte verbindet Generationen: Neue Formen des zukunftsbezogenen Erinnerns und Gedenkens in der Steiermark

 

Gemeinsam mit Jugendlichen und ZeitzeugInnen fokussieren wir in der generationenübergreifenden Erinnerungs- und Gedenkarbeit auf die "Bedingungen der (Un-)Möglichkeit" von ZeitzeugInnarbeit.

 Anhand von Bereits durchgeführten größeren und kleineren zeitgeschichtlichen Projekten werden eigene Erfahrungen vermittelt und nutzbare Zukunftsbereiche der intergenerativen Arbeit angesprochen.

 

 

Kornelia Hauser

SEXUALITÄT UND WAHRHEIT. WORÜBER DER SEX SPRECHEN UND SCHWEIGEN SOLL UND WAS DIE LIEBE DAZU SAGT

„Wer zweimal mit derselben pennt gehört schon zum Establishment“ – dieser – von Männern für Männer – Slogan der 68er Studierenden Bewegung ist nach vielen Seiten hin interessant. Aber vor allem sagt er etwas über die Auskunftsfreudigkeit, die den sexuellen Praxen unterstellt wird. Sexuelle Aufgeklärtheit ist in eine Abgeklärtheit übergegangen, die immer noch mit Normen und Werten aufgefüllt ist aber unaufgeregt rational daher kommt.

 

„Sexualität“ ist ein junger Begriff; etwas mehr als 200 Jahre alt und er ist zutiefst gesellschaftlich, indem ein Bereich des menschlichen Empfindens, Erlebens und Handelns vor Jahrhunderten isoliert und als isolierter dramatisiert und mystifiziert worden ist. Die Tatsache, das es sexuelles Erleben und Verhalten als „sexuelles“ nur gibt, wenn eine Gesellschaft eine allgemeine Sexualform herausstanzt und installiert hat bedeutet zugleich, dass das Sexuelle nur individuell wirklich ist. Der Begriff vögelt nicht und wird auch nicht schwanger. Das Paradoxon sagt: Sexualität ist nicht sexuell (Volker Sigusch).

 

Wenn es in den letzten 50 Jahren gelang, Sexualität und Fortpflanzung zu trennen und zudem viele Lebenstätigkeiten sexualisierten, das sexuelle Tun vom unmittelbaren, sinnlichen „Du“ zu trennen, welche Bedeutung, welche gesellschaftliche Funktion hat Sexualität dann heute? Worüber sprechen wir, wenn wir „darüber“ sprechen? Worüber schweigen wir mit unserer beredten Rede? Hat die Liberalisierung neue Herrschaftsstrategien ermöglicht? Hat die „neue Sachlichkeit“ in der Sinnlichkeit Werte und Normen ermöglicht, die den alten Fesseln ganz ungleich sind?

 

Kornelia Hauser

Studium/Promotion in Hamburg (Soziologie, Politikwissenschaften, Psychologie und Germanistik);

Habilitation an der Universität Bremen, zunächst Professorin für Politische Soziologie an der Freien Universität Berlin,

seit 1997 Professorin für Sozial- Kulturwissenschaften an der Universität Innsbruck.

Zahlreiche Gastprofessuren u.a. an den Universitäten Kassel, Zürich, New Orleans.

 

Arbeitsschwerpunkte: Bildungssoziologie, gesellschaftliche Selbst- und Vergesellschaftungsverhältnisse; Feminismus. http://www.uibk.ac.at/ezwi/team/profs/hauser_kornelia/

 

 

 

DGKP Christian Luksch

Gerontophobie – Ausdruck einer lustfeindlichen Gesellschaft?

Sexualität alter Menschen – auch und gerade im Altenheim – ist eine evidente und nicht wegzuleugnende Tatsache. Auch wenn es uns schwer fällt, uns 80Jährige (und noch ältere) als sexuelle Wesen vorzustellen, sind die Pflegenden tagtäglich damit konfrontiert. Wollen sie ihren Anspruch auf eine „ganzheitliche Pflege“ erfüllen, dann dürfen sie sich auch dieser Angelegenheit nicht verschliessen.

 

Aber wie gehen Pflegende damit wirklich um? Ist die Sexualität oder auch Homosexualität alter, pflegebedürftiger Menschen tatsächlich ein Tabu? Und wenn ja – für wen? Was bedeutet das für die BewohnerInnen und Angehörigen? Und was bedeutet es für die Pflegenden und deren Angehörigen? Und was müssen/können Organisation und Gesellschaft dazu beitragen?

 

Christian Luksch, Jahrgang 1961, ist diplomierter psychiatrischer Gesundheits- und Krankenpfleger, gerichtlich beeideter Sachverständiger und freiberuflicher Dozent für Geriatrische Pflege an mehreren Fachhochschulen und Weiterbildungsakademien in Österreich und Deutschland. Er ist seit 30 Jahren in der Altenpflege tätig, betreibt die Websites www.geronto.at und www.psych-pflege.at und gibt eine Internet-Fachzeitschrift für Altenpflege – die Geronto-News – heraus. 1998 und 1999 gewann er mit dem von ihm gegründeten Konzept der Gerontopsychiatrischen Animation den Wiener Gesundheitspreis, 2000 den Mediskus – Award. 2002 fungierte er als Mitbegründer des österreichischen Pflegenetzes, 2009 initiierte er den Verein zertifizierter TrainerInnen. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern lebt und arbeitet mit seiner Partnerin DGKS Manuela Steinmetz in Wien und Würzburg.

 

 

Univ.Prof. i.R. Dr. iur. Rotraud A. Perner

LUST ODER LAST?

Wir können nicht "nicht sexuell" sein - wir sind immer sexuelle Wesen. Aber wie entwickelt sich Sexualität im Lebenszyklus? Und wie wird sie behindert - von Regeln, Modellen, Menschen? Wo wird Lust zur Last, wo die Last zur Lust - und für wen?

Einführende Literatur: Rotraud A. Perner, Heute schon geliebt? aaptos 2007 (Auslieferung Dr. Hain)

Die Wahrheit wird euch frei machen. Sexuelle Gewalt im kirchlichen Bereich... und anderswo. Prävention - Behandlung - Heilung. Gezeiten Verlag 2006

Die Hausapotheke für die Seele. Erste Hilfe von A(ngst) bis Z(orn), Deurticke 2005

 

Univ. Profin. i.R. Drin. Rotraud A. Perner

• geb. 1944 in NÖ, verheiratet seit 1968, 2 Söhne (1972, 1974)

• promovierte Juristin (Uni. Wien) mit postgradualen Studien Soziologie

• mehrfach ausgebildete lizensierte Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin

• lizensierte Gesundheitspsychologin und Feldsupervisorin (ÖBVP)

• zertifizierte Erwachsenenbildnerin (PädAk Wien)

• Hochschultätigkeit an mehreren österreichischen Universitäten, zuletzt Univ. Prof. für Prävention an der Donau Universität Krems (Stellvertretende Vorsitzende ProfessorInnenvertreterin im Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen)

• langjährige Gerichtssachverständige

• Leiterin des Instituts für Stressprophylaxe & Salutogenese (ISS) und der Akademie für Salutogenese & Mesoziation (ASM) in Matzen, in Kooperation mit der Niederösterr. Landesregierung und Niederösterr. Landesakademie

• Keynote-Speakerin, Trainerin, Supervisorin, Coach, Beraterin und Seminarleiterin

• Mitglied des Wissenschaftsbeirats des Fonds Gesundes Österreich

• Mehr als 38 Fachbücher zum Thema Stressprophylaxe, Salutogenese, Gewaltprävention und Sexualität

 

Kontakt: Univ. Prof.i.R. Mag. Dr. Rotraud A. Perner Institut für Stressprophylaxe und Salutogenese, Bahnstraße 24, 2243 Matzen,  iss@perner.info, www.perner.info.

 

 

 

Nina de Vries

Die schönste Sache der Welt?! – für Menschen mit Beeinträchtigung

Nina de Vries (geboren 1961 in Holland) hat außer einer Massageausbildung auch eine therapeutische Ausbildung in Holland genossen. Sie lebt seit fast neunzehn Jahren in Deutschland und war anfänglich als Graphikerin/Illustratorin tätig.

Seit ca. zwölf Jahren arbeitet sie als Sexualassistentin. Seit ca. neun Jahren hauptsächlich mit Menschen mit mehrfach schwereren Beeinträchtigungen.

 In der Schweiz hat sie 2004 zehn SexualassistentInnen ausgebildet. Weiterhin arbeitet sie seit Jahren mit MitarbeiterInnen, die Menschen mit Beeinträchtigung assistieren. Sie wohnt in Potsdam bei Berlin.

Sie können umfangreiches kostenloses Infomaterial anfragen unter: nina_devries@web.de

 

 

 

Sponsoren (2010)

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